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Herkunft und Verwendung - Menora mit Diener

Dieser Leuchter soll eine jüdische Menora sein, aus dem Besitz meiner Familie.

Der Leuchter ist ungewöhnlich, 

  • weil der mittlere Kerzenhalter hervor steht, sonst ein Merkmal der 9-armigen Chanuka-Leuchter,
  • weil er sehr groß ist: Ausdehnung oben: ca. 50cm, Höhe: 44cm, Gewicht: 6,2 kg
  • weil er vollständig zerlegbar ist. 

Er gelangte vor dem 2. Weltkrieg in den Besitz meines Großonkels, eines Priesters am Niederrhein.

 

Herkunft und Verwendung des Leuchters sind bis heute unklar: 

  • Wann und wo wurde diese Menora hergestellt?
  • Wurde diese Menora jemals in einer Synagoge verwendet?
  • Oder diente sie als Schmuck in bestimmten katholischen Gottesdiensten?
  • Oder sollte sie ein Privathaus schmücken?

Ich suche dazu Hinweise.

 

Alle Fotos (c) Heinz Maas im Mai 2026  - mit Klick vergrößerbar 

 

Eine Nachfrage bei jüdischen Museen war bisher nicht erfolgreich. Deswegen werden die Grundinformationen oben mit Hinweisen ChatGBT-Recherchen ergänzt.

  • Das Gewicht spricht für massive Ausführung als Messinggussstück.
  • Der Leuchter hat keine Stempel, keine Marke eines Herstellers.
  • Er hat 7 Kerzenhalter insgesamt, alle auf gleicher Höhe.
  • Die mittlere Flamme ist leicht  nach vorne gerückt – vergleichbar dem „Diener“ beim Chanuka-Leuchter.
  • Dekor mit Ranken- und Blattornamenten.
  • Löwenköpfe mit dem Aufnahmestück für die Arme als einzig erkennbares jüdisches Symbol.
  • Der Fuß erinnert eher an historistische bzw. neugotische Kirchenausstattung als an klassische jüdische Menorot.
  • Die Konstruktion des Leuchters mit steckbaren Armen und aufschraubbaren Kerzenhaltern ist vollständig zerlegbar in sehr viele Einzelteile.
    • 7 Arme, unten 2x je 2, oben 3x in gleicher Größe.
    • Kerzenhalter abschraubbar.
    • Also 21 oder 24 Teile für Arme und Kerzenhalter
    • Dazu vermutlich 8 Teile von Fuß und Stamm.

Die Detailaufnahme des Stammes mit den Löwenköpfen zeigt diese Konstruktion. Die Arme sind nicht angegossen, sondern werden über quadratische Zapfen in entsprechende Aufnahmen (des Löwenmauls) eingesteckt. Das spricht für eine bewusst modulare Konstruktion:

  • einfacher Transport,

  • unterschiedliche Bestückungsmöglichkeiten,

  • serielle Fertigung.

Zur Symbolik der Löwenköpfe:

Im jüdischen Kontext sind Löwen ein häufiges Motiv:

  • Löwen Judas,

  • Tempelsymbolik,

  • Toraschrein-Verzierungen.

Im katholischen Kunstgewerbe kommen Löwen ebenfalls vor, aber meist:

  • als Evangelistensymbol des Markus,

  • als Trägerfiguren,

  • als Wappenhalter.

Die Anordnung der Löwenköpfe direkt am Stamm erinnert eher an die Ornamentik historischer Menorot als an typische Kirchenleuchter.

 

Die Basis des Stamms ist stilistisch ungewöhnlich, wirkt weniger wie liturgisches Kirchengerät und eher wie ein dekorativer Repräsentationsleuchter:

  • dreiseitiger Standfuß,

  • ausgesägte bzw. durchbrochen wirkende Konturen,

  • florale Gravur statt christlicher Symbolik.

Beim Fuß und beim Stamm werden mehrere Einzelteile innen über eine Gewindestange gehalten – diese kann nachträglich "erneuert" worden sein.

 

Die zentrale Gewindestange und die sehr präzise Ausführung der Verbindungselemente sprechen eher für eine Herstellung nach 1880, wahrscheinlich sogar eher 1890–1930.

 

Die Besonderheit: der mittlere Arm oben steht heraus wie der „Diener“ bei einem Chanukka-Leuchter. Zwei Möglichkeiten:

  1. Bewusste Anlehnung an die Chanukkia: im Historismus des 19./frühen 20. Jahrhunderts wurden jüdische und christliche Motive gelegentlich vermischt.

  1. Praktischer Anzündearm: manche Kirchenleuchter besitzen einen hervorgehobenen Arm, der zuerst entzündet wird.

Informationen zur Provienz erlauben neue Schlussfolgerungen

In einem 2. Durchgang wurden Informationen zur Provenienz des Leuchters ergänzt (Infos zum Priester incl. Namen und Todesdatum 1944 – zum Wohnort Moers – zur Region Niederrhein nahe der niederländischen Grenze – wahrscheinlich im 3. Reich ein Fluchthelfer für jüdische Menschen.)  

 

Argumente für jüdische Herkunft

  • Siebenarmige Form.

  • Löwenköpfe können als Anspielung auf die Löwen Judas verstanden werden.

  • Fehlen eindeutig christlicher Symbole (Kreuze, Evangelistensymbole, Christusmonogramme usw.).

  • Der Leuchter wirkt nicht wie ein typischer katholischer Altarleuchter.

Argumente für christliche Herkunft

  • Die Menora wurde seit dem 19. Jahrhundert auch in christlicher Kunst häufig verwendet.

  • Historistische Kirchenausstattungen griffen gerne alttestamentliche Tempelsymbolik auf.

  • Der Priesterhaushalt als nachweisbarer Provenienzpunkt ist ein ernstzunehmendes Indiz.

  • Die asymmetrische Armführung entspricht nicht der klassischen Menora-Tradition.

 

Das stärkste Detail: die Löwenköpfe
Die Löwenköpfe sind jedoch ungewöhnlich gezielt eingesetzt. Sie sitzen nicht zufällig am Fuß oder als Zierde, sondern genau an den Ansatzpunkten der Arme. Das wirkt fast so, als solle der Stamm selbst „belebt“ oder symbolisch aufgeladen werden.
Allerdings kommen Löwen auch in der neugotischen und neoromanischen Kirchenausstattung vor. Sie sind daher kein Beweis.

Was gegen eine eindeutige jüdische Zuordnung spricht

Bei sicher als Judaica identifizierten Stücken findet man meist zusätzliche Kennzeichen:

 

  • Davidsterne,

  • Kronen,

  • Gesetzestafeln,

  • hebräische Inschriften,

  • Löwenpaare.

 

Genau diese Merkmale fehlen an unserem Leuchter.

 

Deshalb bewegt er sich in einer Grauzone. In Diskussionen über historische siebenarmige Leuchter wird häufig darauf hingewiesen, dass Löwen allein noch kein sicherer Nachweis jüdischer Herkunft sind. Ebenso gibt es siebenarmige Leuchter ohne weitere jüdische Symbolik, die eher als dekorative Historismus-Objekte eingeordnet werden.

 

 

Letztlich bleibt die Frage nach dem jüdischen oder christlichen Ursprung dieser Menora offen.

Uabhängig davon hat Hermann Wassen, ein enger Freund meiner Eltern, eine Abbildung des Leuchters für das Deckblatt seiner verdienstvollen Schrift verwendet: 

Der siebenarmige Leuchter
Die Geschichte der Geilenkirchener Juden


Unser kleiner Chanuka-Leuchter zum Vergleich

Ein Reisemitbringsel einer Tante.

23,5 cm breit - 25 cm hoch.

Der "Diener" ist beweglich und abnehmbar, er kann zur Seite geklappt werden.

Die Konstruktion wird wie wieder von einer inneren Schraube gehalten. Um wie viele Einzelteile es handelt, ist nicht klar.