20.05.2026
Wie können wir uns diese Pferdeförderung in der 104-Lachter-(Revier-)Sohle besser vorstellen?
Für uns Bergbaulaien: gemeint ist eine Schienenbahn zum Transport der Kohle gezogen von Pferden 200m unter uns.
Für technisch Interessierte empfehle ich die ausführliche Beschreibung des Königlichen Bergrats Hermann Wagner, Quelle und URL für das Digitalisat s.u.
Die Vereinigungsgesellschaft hatte nach ihrer Gründung nach und nach alle Gruben hier im Wurmrevier erworben. Dadurch
konnte ein zusammenhängendes Grubenfeld von ca. 9 Mill. m² gewirtschaftet werden. Um Kosten zu sparen wurde die Förderung von ursprünglich 10 Schächten konzentriert auf die drei Schächte
Neu-Laurweg, Neu-Voccart und Gouley.
Der vierte Schacht, Kämpchen, war zur Förderung der Fettkohlen aus dem Felde Gemeinschaft bestimmt.
Für diese Gruben wurde zuerst eine gemeinschaftliche Pferdeförderung in der 200m-Sohle eingerichtet – mit vielen technischen und logistischen Highlights.
Denken wir daran: wie befinden uns in der Zeit um und nach 1860, also vor ca. 165 Jahren, in der durch gestarteten Industrialisierung!
Die neben stehende Karte zeigt die Strecke incl. der geplanten Pferdeställe.
200m unter uns ein ca. 17km langes Streckennetz.
Ausgeführt als 1-Schienensystem mit Platz zur Verlegung einer 2. Schiene
Auf der Seite Pferdeförderung sehen wir die jüngere Übersicht der Strecke.
Pferdeställe untertage – ursprünglich 5 geplant (auf der Karte gelb markiert):
A am Neu-Laurweger Förderschachte,
B am Hoheneicher Förderschachte,
C am Further Förderschachte,
D am Spideller Förderschachte, und
E am Ather Förderschachte.
Wagner verweist darauf, dass nicht diese fünf, sondern vorläufig nur ein Pferdestall für 5 Pferde hergerichtet worden war. Er lag am Knotenpunkte der ganzen Förderung, ca. 680m vom Neu-Laurweger Förderschachte gegen Osten, im Langenberger Concessionsfelde, in der Nähe der Wechselstelle I . Dieser in ganz festem Stein ausgehauene Stall ist 9,5 m lang, 5 m tief, gepflastert und so eingerichtet, dass die Jauche direct in den Langenberger Sumpf abfliesst.
Der Raum ist hinlänglich gross, um 5 Pferde stellen zu können. Die Lage ist schon deshalb sehr zweckmässig gewählt, weil in der Nähe aus einer durchsetzenden Ueberschiebung stets frisches klares Wasser zum Tränken der Pferde zu haben und der frische Wetterstrom in leichter Weise durch den Stall geleitet und letzterer dadurch gehörig gelüftet werden kann, Bedingungen, welche für die Erhaltung der Pferde unerlässlich sind. Von diesem Stalle aus werden dieselben vor Beginn der Förderung an ihre verschiedenen Stationspunkte A, B, C, D und E gebracht, von wo aus sie ihre Arbeit beginnen.
Natürlich interessiert uns heute vor allem, wie die Pferde nach unten gebracht wurden:
Im Internet finden wir Bilder, wie Pferde in einem Netz oder Transportband hängend nach unten gelassen wurden. Bei uns geschah das so:
Das Einlassen der Pferde in die Grube hat durchaus keine Schwierigkeiten. Es ist dazu auf der Haldensohle ein für gewöhnlich verschlossener Eingang zum Schachte unterhalb der Hängebank gemauert, durch welchen das Pferd auf das bereit stehende Schachtgerippe geführt wird.
Nachdem dies geschehen, werden die beiden Eingänge zum Gerippe mit starken Holzthüren geschlossen und der Kopf des Pferdes etwas herumgebunden. Das Gewicht eines Pferdes zu 600 Pfd. und das der beiden Holzthüren zusammen zu 100 Pfd. angenommen, so wiegt also dabei die ganze Last:
Die Pferde bleiben in der Grube und werden nur bei ihrem Abgange oder in Krankheitsfällen zu Tage gebracht; sie sehen wohlgenährt aus und lernen in kurzer Zeit ihre Arbeit kennen.
Ein Förderzug bestand aus 12 Wagen á 30 Scheffel = 30 Ctr. Kohlen.
Ein sehr gut überlegter Fahrplan sorgte für eine optimale Auslastung bei geringer Belastung der Pferde in der Zeit zwischen 6 und 14 Uhr. Durch die verschiedenen Fahrten kommen unter dem Neu-Laurweger Förderschacht täglich 30 volle Züge an.
Der genau vorgeschriebene Fahrplan und die Anzahl der Pferde richten sich nach der Lage der jedesmaligen Gewinnungspunkte und dem zu beschaffenden Förderquantum, wobei namentlich auf die gleichmässige Vertheilung der Arbeit unter die Pferde, ohne dieselben übermässig anzustrengen, Bedacht genommen ist. Die Pferde fördern einander zu und gehen dabei nur kurze Strecken und unter stets abwechselnder Last, bald mit einem beladenen, bald mit einem leeren Wagenzuge. Damit durch Warten keine Zeitverluste entstehen, ist bei verschiedenen Förderquantitäten Ankunfts- und Abfahrzeit der einzelnen Züge an den Wechselpunkten genau bestimmt.