Pferde im Kohlscheider Bergbau

Die Fotodokumentation Schachtgebäude 1 zeigt uns zwar Futterreusen im Anbau zum Schachtgebäude unter der Hausmeisterwohnung. Diese Bild belegt zwar, dass hier früher Pferde gehalten wurden und wird als  Anlass zu einer Spurensuche genommen (obwohl diese Reusen zu einer privaten Pferdehaltung nach dem Bergbau gehört haben):

  • Welche Rolle spielten früher Pferde in der Arbeit der Grube Langenberg bzw. im Kohlscheider Bergbau?
  • Wo, wie und wann wurden Sie eingesetzt?
  • Wo wurden die Pferde gehalten?

Die Spurensuche in Kohlscheids Heimatliteratur zeigt Pferde  in verschiedenen thematischen Zusammenhängen:

  • Mit Pferden wurde die Kohle zum Kunden gebracht. Zuständig dafür waren die Kohlegidse, die die Kohle in angehängten Säcken und später in Pferdefuhrwerken zu den Menschen in der Umgebung brachten, auch nach Aachen.
  • Mit Pferden wurde die Kohle transportiert (Pferdeförderung). Untertage lösten sie die Menschen als Schlepper ab und zogen die Hunde (auch Hunte).
  • Oder sie hoben die Kohle mit einem Pferdegöpel von einer Sohle zur nächsten oder bis ans Tageslicht.
  • Pferde sorgten unter Tage für den Kohletransport von Grube A nach Grube B.
  • Pferde bewegten Übertage die Pferde-Straßenbahn.
  • Als Rosskunst sorgten Pferdegöpel für die Wasserhaltung in der Grube.

In Fritzsches "Lehrbuch der Bergbaukunde" kann man in der 9. Auflage 1957 noch lesen:

79. Pferdeförderung.
Allgemeines. Ein schweres und niedriges Pferd entspricht den Bedingungen des Untertagebetriebes am besten. Das Pferd muß schwer sein, da seine Zugkraft von seinem Gewicht abhängt, und klein, um auch in niedrigen Strecken noch eingesetzt werden zu können. Diesen Forderungen entsprechen am besten Pferde von 500-700 kg und einem Stockmaß von 155-165 cm. Ponys werden nur noch wenig verwendet, da ihre Leistung nicht befriedigt und sie schwierig zu beschaffen sind. 80. Unterirdische Pferdeställe. Die Pferdeställe sollten aus hygienischen Gründen und zwecks leichterer Bekämpfung von Ratten und Mäusen ausgemauert oder betoniert werden.

Er geht dann noch auf die Stallunterbringung, die Leistungsfähigkeit und die monatlichen "Betriebskosten" ein.

 

Hermann Wagner vermittelt 1881 einen Einblick in die Pferdeförderung des Bergreviers Aachen:

Auf den Gruben des Reviers waren im Jahre 1879 79 Pferde unter Tage und 63 Pferde über Tage beschäftigt, theils schwere, theils leichtere, kurz gedrungene Eifelpferde, theils Ponys. Auf der Grube Neu Laurweg ist die Einrichtung getroffen, dass die Pferde von der Halde in das geräumige Fördergerippe geführt und ohne Zwang in die Grube eingelassen werden können. Auf den übrigen Gruben ist das Einlassen auf den kleineren Fördergerippen mit manchen Schwierigkeiten und Umständen verbunden. Aus diesem Grunde bleiben die Pferde in den Gruben, was bis jetzt keinen nachtheiligen Einfluss auf die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Thiere zur Folge gehabt hat.

 

Ein Hinweis zu den Texten zu "Pferde im Bergbau": da einige historische Texte wörtlich wieder gegeben werden, wird man auf ungewohnte Schreibweisen oder Begriffe stoßen, vgl. dazu meine Hinweise zur Bergmannssprache bzw. zu Hintergrundinformationen.