
Als Kohlegids bezeichnete man die Kohlenfahrer, die zuerst Pferde und Maulesel mit Kohlensäcken behängten, die sie dann von den Kohlengruben in die Orte und Städte transportierten und dort „frei Haus" an die Haushaltungen lieferten.
Noch um die Jahrhundertwende war die Zahl der „Kohlegidse" groß. Bis 1880 bestand ein in Kohlscheid herausgegebenes Wochenblatt: „Der Kohlegids — Wochenblatt für das Wurmrevier und die angrenzenden Ortschaften".
Kohlscheid, den 7. Mai 1961
In den Aufzeichnungen von L. Schroiff ist uns das Wort Kohlegidse begegnet. Pastor Michel kann uns hierüber noch einiges mehr berichten. Der Kohlentransport war in früherer Zeit sehr schwierig.
Nicht nur, weil die Straßen schlecht waren, sondern auch weil der Kohlenhandel von einem „Land“ zum andern sich nicht immer leicht gestaltete. So hatte z.B. der Aachener Rat verboten, Kohlen auf
Wagen oder Karren in die Stadt zu bringen, damit die Eigenförderung leichter Absatz finde.
Noch toller erscheint uns heute folgendes: Im Jahre 1765 hatten die Burtscheider Herren Gotthard Pastor u. Bartholomäus von Lövenich die Grube Langenberg übernommen. Um den Kohlenabsatz bemüht,
sorgten sie zunächst für den Ausbau der Straßen. Im Jahre 1766 schon konnte sie zwischen Kohlscheid u. Bardenberg eine neue Brücke über die Wurm schlagen lassen. Der Kohlenabsatz von Langenberg
ins Jülicher Land (Bardenberg gehörte schon zu Jülich) stieg gewaltig. Hierüber ärgerten sich die Bardenberger Köhler. Nun war gerade damals der Vogt von Wilhelmstein unter die „Köhler“ gegangen.
Er hatte das „Broicher werk“ erworben. Dieser Vogt versuchte nun die Bardenberger in der Abwehr der Langenberger Konkurrenz zu unterstützen. Eines Tages ließ er durch eine Abteilung Schützen, die
der Bardenberger Scheffen Blees kommandierte, die Brücke nach Kohlscheid besetzen. Allen „Jülichern“, die in Langenberg Kohlen einkaufen wollten, wurde hierdurch der Weg gesperrt. Erst nach einer
scharfen Intervention des Heidener Vogten Coomanns, rückten die Schützen wieder ab, und der Kohlentransport nach Bardenberg u. darüber hinaus konnte unbehindert erfolgen.
Das alles mag dazu beigetragen haben, daß die Kohlenbeförderung durch einen eigenen Transportstand „die Kohlegidse“ (vom niederdeutschen gids Führer, oder vom französischen guide Führer)
erfolgte. Mit diesem Ausdruck wurden zugleich Führer und Pferd bezeichnet. Diese Kohlegidse zogen mit ihren kleinen Pferdchen, die auf dem Rücken die Kohlen in Säcken trugen, mehrere Pferde
hintereinander in einer Reihe zusammengebunden von hier aus bis nach Düren, Monschau und Eupen, um ihre Ware abzusetzen. Die Aachener hätten, so weiß Pastor Michel noch zu berichten, alle
Bewohner des Kohlenländchens an der Wurm einfachhin „Kohlegidse“ genannt. Die Kohlegidse der früheren Zeit waren ein rauhes u. rohes Volk, das bei den nächtlichen Fahrten nie in Verlegenheit
geriet, wie es die Tiere füttern sollte. Stand doch genug Futter auf fremdem Feld.
Auch sonst seien die Gidse wild u. ungebärdig gewesen. Michel bringt hierfür zum Beleg eine Begebenheit, die er im Protokollbuch des Würselener Sendgerichtes gefunden hat.
Am 11. Aug. 1613 war der Würselener Pastor mit dem Allerheiligsten auf einem Versehgang. Michael, ein Sohn des Zimmer Johannes lag in Ueppem (wohl Oppen) im Sterben.
Da kam der Joh. N. aus Eilendorf, der Broidtwinner genannt, mit seinem „Aeselspertge“, (wohl Maulesel oder kleines Pferd) das mit Kohlen beladen war, am Pastor vorbei u. ging mit seinem Pferd dicht vor dem Meßdiener her, der Schelle u. Laterne trug. Alle Vorübergehenden knieten nieder, um den Herrn im Allerheiligsten Sakrament zu verehren. Johannes aber behielt frech seine Mütze auf. Der Pastor ärgerte sich sehr u. stellte den Patron zur Rede. Der aber erklärte, er habe einmal die Mütze abgezogen u. das müsse genügen. Der Pastor darauf: wenn er schon vor dem Allerheiligsten hergehe, dann solle er seine Mütze ab behalten u. ein Vater unser für den Sterbenden beten.
Der Eilendorfer entgegnete: „der Pfaff hett über Im nitt zu commandieren, er thet seinen hutt ab nach seinem Wohlgefallen". Der Würselener Pastor erklärte auf diese Unverschämtheit, er würde ihn bei der Obrigkeit wegen seiner Ungebühr verklagen. „Daruff ehegenannter Johan trotzig den Pastoren angedutzet, ahngefasset u. zum höchsten verunehret, mit dem Beisatz, er dürff dem Pfaff wol mit Steinen auff den Kopff werffen, er frage nach dem Pfaffen nitt u. dergleichen unerbar Wort mehr u. gleichwohl seine hutt auff dem Kopff gehalten“.
Der Ehrenorden der KG Narrenzunft erinnert an diese Geschichten.