19.11.2026

„Dürfen“ wir SW-Fotos nachkolorieren?

EBV-Hauptverwaltung + Grube Laurweg 1925 (Quelle GABI) - rchts koloriert mit Canva
EBV-Hauptverwaltung + Grube Laurweg 1925 (Quelle GABI) - rchts koloriert mit Canva

Die meisten historischen Fotos unserer Heimatorte liegen uns als Originale in schwarzweiß vor. Ist es unsere Aufgabe, diese unverändert zu bewahren? Ja!

 

Heute fällt es leicht, schwarzweiße Fotos nachträglich mit Online-Tools wieder „einzufärben“. Aber „dürfen“ wir das? Verfälschen wir so nicht die Erinnerung? - Oder: Wann ist das vielleicht doch angemessen?


Auf Spiegel-Online setzte sich Solveig Grothe schon 2016 damit auseinander: Nachkolorierte Schwarz-Weiß-Fotos. Plötzlich ist die Welt ein bisschen bunter.
Die verwendeten Beispielfotos kann man mit einem Schieberegler quasi einfärben.Die Fotorstrecke zeigt jeweils das SW-Original und erwähnt den betriebenen Aufwand für die Colorierung.

Die neuen Probleme dabei beschreibt sie so:


Wie Gemälde oder wie das echte Leben
Solche Aufnahmen verändern unseren Blick auf die Vergangenheit. Sie sollen eine Welt näher heranrücken, die man zuvor nur in Grauschattierungen kannte, und sie fassbarer machen. Holzer sieht das kritisch. Das Bildmaterial, so sagt der Herausgeber der Zeitschrift "Fotogeschichte", werde dadurch "geradezu verfälscht".


Wird damit also Geschichte verfälscht oder besser nachvollziehbar?
Als Lokalhistoriker stimme ich der Aussage zu, dass Archivare historische Dokumente und Fotografien bewahren und für zukünftige Generationen zu erhalten sollen.


Der zitierte Artikel enthält weitere, bedenkenswerte Überlegungen zu der Frage, ob ein Mensch versucht, historisch korrekt nach zu färben. Oder ob dies von Software mit künstlicher Intelligenz erledigt wird und zitiert als Fazit noch einmal den Fotohistoriker.

 

Kolorierte Fotos und Filme brächten "keinen Zugewinn an historischer Erkenntnis" und verwischten vielmehr den Entstehungszusammenhang - welche Rolle Fotografie damals spielte, wer wozu welche Bilder machte, für welche Öffentlichkeit sie gedacht waren, wie und in welcher Form sie vervielfältigt wurden.


Wenn es denn so ist, dass die nachkolorierten Bilder einen neuen Blick auf die Vergangenheit ermöglichen, ist es nur redlich, diese Veränderung zu erwähnen: „Foto nach gefärbt“ oder „Original in schwarzweiß“. Oder man stellt die beiden Varianten gegenüber.


Wer sich selbst daran versuchen will, findet im Internet viele Möglichkeiten über Software- oder Webtools. z.B.:   https://topten.ai/colorize-black-and-white-photos/.