Für die Herzogenrather Lorian Höfe in Kohlscheid wird auf ihrer Homepage die Veränderung der Baufläche angezeigt - offensichtlich mit einer animierten Folge von digialen Orthofotos von TIM-Online von 1951-2023.
Am Ende kommt diese Einladung:
Wofür soll der Name Lorian stehen? Welchen Namen trug der Stollen in dem Lorian arbeitete? Finde es heraus auf llorian.de.
Auf Facebook gab es die Erklärung dazu bereits am 18. April:
Der Name „Lorian Höfe“ ist dabei bewusst gewählt: „Der Name ist Kombination aus den Vornamen meiner Kinder und zugleich eine Anlehnung an die Bergbau - LORE – als Bezug zur Geschichte der Region“, erklärt Herr Dutescu.
Inzwischen sieht die Antwort so aus.
Vielleicht um die Akzeptanz für das in der Bevölkerung umstrittene Bauprojekt zu erhöhen, zeigt man jetzt eine fiktive Bergbaugeschichte. Und wirbt so für die Namensgebung:
Warum Lorian?
Glück auf. Vom Stollen Ley ins Licht.
Vor über hundert Jahren verlief tief unter Herzogenrath-Kohlscheid der alte Stollen Ley.
Die Geschichte ist mit einem KI-generierten Video optisch ansprechend umgesetzt, weist aber gravierende Fehler auf.
Was bei der Geschichte und dem Video auffällt.
In Facebook findet man leider nur das Video. Hierbei muss anders geprüft und bewertet werden. Bilder suggerieren quasi „Wahrheit“ und vermeintliche historische Korrektheit. Und was die KI hier produziert hat, ist vielleicht nett anzuschauen. Aber hier hätte man den KI-Befehlen (Prompts) mehr Aufmerksamkeit schenken müssen.
Stollen Ley
„Vor über hundert Jahren verlief tief unter Herzogenrath-Kohlscheid der alte Stollen Ley.“
Was ist ein „Stollen“? Laut Aretz Bergmännischer Wortschatz ein waagerechter oder schwach geneigter Gang geringen Querschnitts, als Wasserhaltungsstollen seitlich von außen in die Bergwand getrieben.
Es gab in Kohlscheid vermutlich nie einen Ley Stollen. Es gab allerdings ein Kohleflöz Ley. Das wurde im Kohlefeld der Grube Gouley Würselen abgebaut. In Aretz Bergwerke wird das Flöz Ley für Kohlscheid gerade an 2 Stellen erwähnt. Die für Kohlscheid bedeutsameren Flöze Merl oder Meister finden wir jeweils über 100 Mal.
Es wäre also interessant zu wissen, ob und wie sich das Flöz Ley unter den Loarianhöfen darstellt? Dass der Neubau auf ehemaligem Bergbaugebiet entsteht, dürfte spätestens nach Baubeginn mit dem Tagebruch unter der alten Dreco-Halle bekannt sein. Der Bauherr geht darauf ausführlich ein in seiner Stellungnahme zu den Bürgerfragen unter Presse | https://lorian.de/presse.php.
So bekommt der Schlußsatz des Videos einen ziemlichen Beigeschmack:
Dort, wo einst der Stollen Ley verlief, entstand ein neuer Ort. Ein Ort für Licht, für Begegnung, für Zukunft – die Lorianhöfe Herzogenrath.
Solange die Geschichte den Charakter eines Märchens hat, bleibt es Geschmackssache, so zu verfahren.
Die folgenden Screenshots stammen alle aus dem offensichtlich KI-generierten Video:
https://lorian.de/assets/lorian-Video-2.mp4
Sturmlampen? Im Bergbau ein NoGo!
Bei den abgebildeten Leuchten handelt es sich um klassische Sturmlaternen (auch Petroleum- oder Kaltluftlaterne genannt). Diese Lampen wurden im 19. und 20. Jahrhundert für den Außenbereich entwickelt. Sie wurden eingesetzt beim Straßenbau, in der Landwirtschaft der Eisenbahn usw..
Ob solche Sturmlampen im Bergbau Übertage verwendet wurden, vermag ich nicht auszuschließen. Untertage wurden sie wegen Explosionsgefahr bei Schlagwettern im Bergbau auf keinen Fall genutzt.
Sistemich schreibt:
Als Geleucht gebrauchten die Bergleute seit der Mitte des 18. Jahrhunderts Öllampen. Die Davy'sche Sicherheitslampe wurde 1820 auf den Gruben des Wurmreviers eingeführt. Später wurden andere und verbesserte Sicherheitslampen benutzt. Heute (1936) ist überall die elektrische Grubenlampe im Gebrauch. Nur in besonderen Fällen bedient man sich noch der Benzinsicherheitslampe.
Noch ein Hinweis zur im Video verwendeten Helmlampe: Moderne elektrische Helmlampen (Kopflampen mit Kabel zum am Gürtel getragenen Akku) setzten sich endgültig ab ca. 1950: als Standard-Geleucht für den Bergmann durch.
Weitere Details bei Ausrüstung usw.
Im Video fällt schnell auf, das bestimmte Materialien aus historisch verschiedenen Epochen stammen oder so nicht im Bergbau verwendet wurden. Auf solche Unstimmigkeiten sei nur kurz verwiesen:
- Die elektrische Helmlampe (s.0.).
- Die Kulissen zeigen ein relativ modernes Bergwerk mit einem Förderturm. Vermutlich aus jüngeren Zeiten als der Plot der Geschichte. Eine spätere Szene weist sogar zwei Fördertürme auf.
- Die unwahrscheinliche Größe des „Stollens“ zur dieser Zeit, mal in Stein geschlagen, mal in Holz ausgebaut.
- Der gemauerte Stolleneingang.
- Der riesige Stollenausgang in ein Waldgebiet
- Die verschiedenen Kopfbedeckungen.
Fazit
Wäre es nicht zielführender, sowohl die Geschichte wie die Videoumsetzung lokalhistorisch und bergmännisch korrekter zu verfassen?






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