Aachener Revier, Wurmrevier oder was?

Wer sich mit der Bergbaugeschichte in der Region Aachen beschäftigt, stolpert bald über eine Vielzahl von Begriffen oder Bezeichnungen. Die Begriffe verweisen auf verschiedene geografische, eigentumsrechtliche, aufsichtsrechtlich-politische oder gar geologische Hintergründe, einzeln oder in Kombination. Nicht nur Schreibweisen haben sich im Laufe der Geschichte verändert (z.B. Worm -> Wurm). Geografisch-politische Grenzen oder das Bergrecht haben sich seit dem frühen Mittelalter ständig geändert, das schlägt sich in den Begriffen nieder.

Eine ausführliche Beschreibung mit vielen Materialien im Download bietet der Aachener Geschichtsverein: Glück auf! - Das Aachener Steinkohlenrevier.

Wie die Worm zur Wurm wurde

ja, nicht zum Wurm.

 

Wie oben erwähnt, hieß die Wurm früher Worm. Über diese "Umbenennung" ereifert sich der Heimatschreiber Franz Büttgenbach in einer Anmerkung seines Werkes; über die Forumulierungen schmunzeln wir heute:

 

Weswegen man den alten Namen Worm zu Wurm gemacht hat, ist unverständlich; der Name Worm ist seit 1000 Jahren, bis vor einigen Dezennien, so geschrieben worden und wird im Ländchen auch so und nicht „Wurm" ausgesprochen. In den 800 Jahre alten Dokumenten steht bis gegen 1870 nur Worm. Es ist ein Verstoss gegen die Geschichte und Tradition, solche Namen zu ändern, und es ist Unrecht von den Landeseinwohnern, sich solche sinnlose Aenderungen durch fremd zugezogene Elemente aufdrängen zu lassen.

 

Geschichtliches über die Entwicklung des 800jährigen Steinkohlenbergbaues an der Worm 1113 - 1898. Nebst Situationskarte des Wormreviers.

 

 

 

Das Aachener Steinkohlenrevier

Die folgenden Begriffe und Schreibweisen sammelte der Verfasser im Laufe seiner Recherchen.

Der Begriff "Wurmrevier" diente ursprünglich zur Abgrenzung gegenüber dem "Inderevier". Nachdem 1944 mit der letzten Zeche Eschweiler Reserve der Bergbau bei Eschweiler starb, wurde das Wurm-Revier damit zum Aachener Revier

 

Man sollte mit diesen Begriffen bei (Internet)Recherchen spielen, Wortvarianten nutzen oder gar die niederländischen Worte; nur so erhält man immer wieder neue, vorher unbekannte Treffer. Und dabei sollte man wiederum prüfen, in welcher Zeit und in welchem Kontext die Begriffe verwendet wurden. Dies gilt besonders für Artikel, die von Laien verfasst werden, z.B. bei Wikipedia.

Sammlung von verschiedenen Bezeichnungen

  • Aachener Bergrevier
  • Aachener Bezirk
  • Aachener Revier
  • Aachener Steinkohlenrevier
  • Aachener Kohlegebiet
  • Aachens Steinkohlenrevier
  • Aachener Steinkohlenlagerstätte
  • Aachener Kohle-, Eisen- und Stahlrevier
  • Aachener Steinkohlenbecken
  • Alsdorfer Revier
  • Aachen-Erkelenzer Gebiet
  • Aachen-Erkelenzer-Revier
  • Aachen-Erkelenzer Steinkohlenbergbau
  • Erkelenzer Steinkohlenrevier
  • Wormrevier
  • Wurmrevier
  • Wurm-Revier
  • Wurmkohlenrevier
  • Wurmkohlenbezirk
  • Steinkohlenbergbau an der Wurm bzw. der Worm
  • Inde-Wurm-Revier
  • Stolberg-Eschweiler Revier
  • Inde-Revier
  • Aachen-Süd-Limburger Bereich
  • Aachen (Süd)Limburger (Stein)Kohlenrevier

Das Aachener Bergrevier 1881

1881 beschrieb Wagner das Aachener Bergrevier noch so:

Vom Jahre 1857 bis 1861 bildete das Bergrevier Aachen zwei getrennte Reviere und zwar das alte Wormrevier und das Niederrheinische Revier. Das alte Wormrevier, auch unter den Namen: Kohlen-Ländchen, Ländchen von der Heyden, Heyden-Ländchen bekannt, umfasste nur den Steinkohlenbergbau der Wormmulde nach einer bestimmten, politischen Begrenzung.

(Nebenbei: das Niederrheinische Revier um Kamp-Lintfort wird später zum Ruhrrervier gezählt.)

(Wagner, Hermann (1881): Beschreibung des Bergreviers Aachen. Mit zwei Karten in Farbendruck. Bonn (Beschreibung der Bergreviere des Oberbergamtsbezirks Bonn, 3). Online verfügbar unter https://sammlungen.ulb.uni-muenster.de/hd/content/titleinfo/2977729, zuletzt geprüft am 15.10.2017.)

 

Das Aachen-Limburger-Steinkohlerevier

Diese umfassende und grenzenübergreifende Beschreibung für das Aachen-Limburger-Steinkohlerevier findet sich im Internet:

 

Seit dem Mittelalter lassen sich vier Zentren der Kohleförderung in der Region zwischen Maas und Rhein unterscheiden: die Umgebung von Lüttich beiderseits der Maas, Heerlen und Kerkrade in Niederländisch-Limburg, der Raum Genk im Kempenland sowie das Revier nördlich von Aachen zwischen Inde, Wurm und Rur.
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Auf deutscher Seite gliedert sich die Bergbauregion im Aachener Revier in zwei Bereiche: in das Gebiet entlang der Wurm bis zum Erkelenzer Horst im Norden sowie den Bergbau an der Inde zwischen Stolberg, Eschweiler und Weisweiler. Besonderes Kennzeichen des Wurmgebiets sind die exakte räumliche Trennung der Vorkommen von Mager- und Fettkohle sowie die erheblichen Wasserzuflüsse, die den Bergleuten seit dem Mittelalter Probleme bereitet haben.
(http://www.industriemuseen-emr.de/de_DE/coalmining)