Zwangs-oder „Fremd“-arbeiter - im Wurmrevier

Ein dunkles Kapitel im deutschen Bergbau, auch im Wurmrevier, ist der Einsatz von Fremd- oder Zwangsarbeitern im Dritten Reich bzw. im 2. Weltkrieg. Darüber berichtet die einschlägige Literatur, s.u.

Sowjetische Kriegsgefangene in Merkstein

Ganz neu ist die Arbeit von Rüdiger Vermöhlen Das Schicksal sowjetischer Kriegsgefangener im Arbeitskommando 133 in Merkstein, private pdf-Veröffentlichung Merkstein Oktober 2021.
Es ist Vermöhlens Verdienst, das Schicksal der russischen Zwangsarbeiter in Merkstein auf der Grube Adolf detailliert zu dokumentieren; fettgedruckt sind die Kapitel mit direktem Ortsbezug zu Merkstein bzw. zum Wurmrevier.

In den übrigen Kapiteln zeigt er den damaligen Kontext, den er so charakterisiert: Zum Einen spielt insbesondere die vollständige Entrechtung der Kriegsgefangenen eine wesentliche Rolle, zum Anderen beginnt deren Elend nicht erst in Merkstein, sondern mit der Gefangennahme in Russland: in den Front-STALAGs, den DULAGs, dem "Verteil-"STALAG Senne, dem STALAG VI G Bonn mit seinem Zweiglager in Arnoldsweiler.

 

Einleitung
1. Der Überfall auf die Sowjetunion
2. Die völkerrechtliche Situation der sowjetischen Kriegsgefangenen
3. Die verbrecherischen Befehle
a. Kriegsgerichtsbarkeitserlass
b. Richtlinien für das Verhalten der Truppe in Russland
c. Kommissarbefehl
4. Der „Befehl 270“
5. Das Massensterben der sowjetischen Kriegsgefangenen 1941/42
6. Der Arbeitseinsatz sowjetischer Kriegsgefangener im Reichsgebiet
a. Situation des Bergbaus im Deutschen Reich
b. Deportation sowjetischer Kriegsgefangener ins Reichsgebiet
c. Organisation des Kriegsgefangenenwesens im Reichsgebiet  
d. Einsatz von Zivilarbeitern und sowjetischen Kriegsgefangenen im Wurmrevier    23
7. Sowjetische Kriegsgefangene im Arbeitskommando 133    24
a. Arbeitseinsatz    24
b. Unterbringung    28
c. Verpflegung    31
d. Verletzungen und Krankheit    34
e. Tod   36
f. Flucht   38
8. Das Schicksal der überlebenden sowjetischen Kriegsgefangenen
a. Deportation nach Osten Mitte 1944
b. Repatriierung
c. Entschädigungsleistungen
9. Die Gräber der sowjetischen Kriegsgefangenen auf dem Friedhof Lange Hecke    42
10. Liste sowjetischer Kriegsgefangener im Arbeitskommando 133    50
Glossar
Quellenverzeichnis
Literaturnachweise
Bildnachweise


Download
Das Schicksal sowjetischer Kriegsgefangener im Arbeitskommando 133
PDF-Fassung der Untersuchung über Zwangsarbeiter auf Grube Adolf u.a. von Rüdiger Vermöhlen (ca. 3,3 MB)
20211001_Das Schicksal sowjetischer Krie
Adobe Acrobat Dokument 3.2 MB

"Fremdarbeiter" in Kohlscheid

In Kohlscheid kamen vermutliche eher "Fremdarbeiter" zum Einsatz.

In Aretz „Kohlscheider Bergwerke“ (Seite 640) findet sich der Hinweis auf das Ledigenheim auf Langenberg. Nachdem NSDAP es verlassen hat, wurde es als Unterkunft für "Fremdarbeiter" aus Ost- und Südosteuropa genutzt.

Mit zunehmender Ausdehnung des Krieges sind die fehlenden Arbeitskräfte durch Fremdarbeiter zu ersetzen. 1941 machen Arbeiter aus Südosteuropa, von der Bevölkerung ganz allgemein "Kroaten” genannt, die im Ledigenheim auf Langenberg ihre Unterkunft haben, den Anfang. Ein buntes Völkergemisch, teilweise mit Turban als Kopfbedeckung, zieht bewacht nach der Frühschicht durch die Weststraße. Es ist ein Haufen des Jammers, der, in den ersten Tagen sogar ohne Schuhwerk, das Mitleid der Bevölkerung erweckt. Pakete mit Brot, Kleidung und Schuhwerk werden zum großen Ärger der Bewacher aus den Fenstern in die vorbeiziehende Kolonne geworfen. Bald werden diese Menschen von osteuropäischen Fremdarbeitern abgelöst. Auch russische Frauen sind auf Laurweg im Übertagebetrieb eingesetzt. Wegen der in den ersten Tagen unzureichenden Sanitäranlagen kommt es vorübergehend zu Spannungen. Die Frauen, handwerklich ausgebildet, nötigen bald ihren deutschen Arbeitskameraden Respekt hinsichtlich ihrer Leistungen, so als Schweißer, ab. 1944, beim Heranrücken der Front, beschäftigt der EBV neben 14.000 deutschen Arbeitern 4.500 Kriegsgefangene und Ostarbeiter (*461). Vergleichbare Verhältnisse herrschen auf Laurweg vor.

Weitere Quellen

  • Müller, Thomas (2002): Zwangsarbeit in Alsdorf im zweiten Weltkrieg. Alsdorf (Alsdorf - meine Heimatstadt). Online verfügbar unter https://alsdorf-online.de/geschichte/pdf/kapitel-12.03.pdf.
  • Müller, Thomas (2003): Zwangsarbeit in der Grenzzone. Der Kreis Aachen im Zweiten Weltkrieg. Aachen: Shaker (Aachener Studien zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte, 1).
  • Müller, Thomas (2005): Vom Grenzgängerwesen zur Zwangsarbeit. Der Ausländereinsatz im Aachener Bergbau während des Zweiten Weltkrieges. Sonderdruck. In: Klaus Tenfelde und Hans-Christoph Seidel (Hg.): Zwangsarbeit im Bergwerk. Der Arbeitseinsatz im Kohlenbergbau des Deutschen Reiches und der besetzten Gebiete im Ersten und Zweiten Weltkrieg, Bd. 1. Essen: Klartext (1), S. 161–192.
  • Müller, Thomas (2011): Der Ausländereinsatz im Aachener Bergbau während des Zweiten Weltkrieges. In: Glückauf. Bergbau und Energie (34), 14-26.