Ergänzungen 17.11.2021

Der Siedlungsname Kohlscheid

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"Dorff Kohlscheydt" bereits ca. 1680 auf der Städlerkarte

Bisher verwiesen die Quellen im Artikel von Günther Breuer unten auf die ältesten Namensnennungen für Kohlscheid. Es gibt aber eine noch ältere auf einer Karte des 17. Jahrhunderts. Vermutlich stammt die alte Karte des Verlauf des Wurmflusses von Wolfsfurth bis Pley von 1680. Den Hinweis auf diese Karte und ihrem vermuteten Alter findet man in der bisher unveröffentlichten Arbeiten von Gerd Welper zur Grube Teut bzw. zum Wurmtal.

In der Legende der Karte finden wir 3 Ortsbezeichnungen für Kohlscheids heutige Siedlungsfläche und dabei Nr. 26 Dorff Kohlscheydt.

Diese faszinierende Karte kann als Digitalisat im Landesarchiv heruntergeladen werden:

Staedtler, Philipp Johannes (um 1680): Delineatio des Wurm Fluß nebst beyliegende Örthern, Buschen und Kohlwercker als solcher die Reichsstadt Aachen, Ambt Willmstein und Herrschaft Heÿden unterscheidet und respective des Spanischen Territorium angräntzet.

 Ihre Maße im Original: Höhe: 35 cm, Breite: 100, Maßstab: [ca. 1 : 3.000]

 

Breuers Untersuchung der Namensherkunft

                                      
1524 den rein an den Scheit (AAV 9, 1896, S. 6)
1569 Scheidt (Fries-Karte)
1701 auf dem Scheid (Tille/Krudewig II, S. 328, Nr.22)
1720 Scheid (Homann-Karte)
1749 Kaulscheid (Pfarrbücher von Laurensberg-Richterich. Nach: Sistemich, F.: Orts-, Flur- und Wegbezeichnungen in Kohlscheid. In: Heimatblätter des Landkreises Aachen 6, 1936, H. 4, S. 118)
1781 Scheid (AAV 20, 1907, S. 125)
1805/07 Kohlscheid (Tranchot/v. Müffling-Karte)
1841/58 Kohlscheid (Topographische Karte von Rheinland und Westfalen)
1850 Kohlscheid (Ortschafts-Verzeichnis der im Reg.-Bez. Aachen gelegenen Hypotheken-Aemter S. 13)

Vorliegende Namensdeutungen

  1. Aus Kohlheide wird durch einen s-EinschubKohls-heid > Kohlscheid.
    (Michel, J.J.: Die Jülichsche Unterherrschaft Heiden. In: ZAGV 5, 1883, S. 243, Fußnote 2.)
  2. Grundwort Scheid als Höhenname.
    (Michel, J.J.: Die Jülichsche Unterherrschaft Heiden. In: ZAGV 5, 1883, S. 243, Fußnote 2.)
  3. Bestimmungswort Kaule, Kule in der Bedeutung von „Vertiefung", „Grube"; ausgehend von dem Beleg Kaulscheid (a. 1749).
    (Sistemich, F.: Orts-, Flur- und Wegebezeichnungen in Kohlscheid. In: Heimatblätter des Landkreises Aachen 6, 1936, H. 4, S. 118)

Im Jahre 1524 findet Kohlscheid (Scheid), damals in der jülichschen Unterherrschaft Heiden gelegen, in einer Grenzbeschreibung erste Erwähnung. - In kirchlicher Organisation war der Ort zunächst Richterich zugeteilt. - Nachdem die Herrschaft Heiden in französischer Zeit aufgelöst worden war, entstand aus verschiedenen Wohnplätzen die Landbürgermeisterei Pannesheide, die im Jahre 1908 nach dem mittlerweile bedeutendsten Ortsteil in „Gemeinde Kohlscheid" umbenannt wurde.

Bei den vorgebrachten Deutungen dürfte wohl die von J.J. Michel aufgestellte Vermutung, daß hier ein ursprünglicher -heide-Name vorliege, nicht nur wegen des kaum zu erklärenden -s-Einschubes (mit einer hypothetischen Fortentwicklung) sondern insbesondere wegen des Fehlens eines Beleges in der Art von Kohl-Heide o.a. auszuschließen sein. Als Simplexform wie auch als Grundwort ist Scheid (mhd. Schied) ein im deutschen Westen gut verbreitetes Element. Es handelt sich um einen Ortsnamen-Alttyp, der vor allen Dingen in der jüngeren Rodungszeit Verwendung fand.

Die ursprüngliche Bedeutung des Namenwortes Scheid ist noch nicht völlig geklärt. Als bewaldete (oder ehemals bewaldete) Erhöhung zwischen zwei Tälern kann Scheid ein reiner Geländenamen sein. Als ein „durch Rodung aus dem Waldland der Allmende ausgeschiedenes Gebiet" kann es seinen Ausgangspunkt in einem Rechtsterminus haben. Als s-lose Form zu kelt. *kaiton „Wald" (vgl. erbverwandtes nhd. Heide) kann eine Bewuchsbezeichnung vorliegen. - Es wurde zudem beobachtet, daß Scheid auch eine Art Grenzbezeichnung ausmachen kann.

Unser Ortsname Scheid/Kohlscheid ließe sich hier mehrfach einordnen: So liegt Kohlscheid an und auf einer (wohl ehemals bewaldeten) Höhe. Grenzlage besteht zur Wurm hin. Der Erstbeleg rein an den Scheit (a. 1524) unterstreicht mit rein „Grasstreifen zwischen zwei Äckern" eindrucksvoll die Grenzsituation der Ortslage.

Erst spät, im 18. Jahrhundert, kommt das Bestimmungsglied Kaul-, Kohl- auf. Möglich ist, daß eine Differenzierung und deutlichere Abgrenzung zum nahe gelegenen Ortsteil Vorscheid notwendig schien. - Ob das Bestimmungswort nach dem Einzelbeleg Kaulscheid ursprünglich eine Kauhle, Kuhle „flache Grube von geringer Tiefe, Vertiefung im Boden" war, oder ob eine Benennung direkt nach den hier am Wurmtalhang zu Tage tretenden Steinkohleflözen erfolgte, wird wohl kaum endgültig zu klären sein. Auf jeden Fall deuten sowohl Kaulen (dies wären hier gewiß die sogenannten Pingen) als auch die mögliche direkte Andeutung des hier zu gewinnenden Bodenschatzes, Kohl(e)-, auf die alte und besonders intensive Bergbautätigkeit in Kohlscheid hin.

 

Quelle:

Breuer, Günter: Die Siedlungsnamen der Stadt Herzogenrath. Ein Beitrag zur Namenkunde. Aachen, 2000 Shaker-Verlag http://www.shaker.de/de/content/catalogue/index.asp?lang=de&ID=8&ISBN=978-3-8322-1216-2&search=yes

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Shaker-Verlags.