Noch kann man letzte Reste der alten Grube Langenberg sehen.

Rest des alten Schachtgebäudes am 20.09.2020
Rest des alten Schachtgebäudes am 20.09.2020 (C) HAM

Grube Langenberg

Die Grube Langenberg förderte ab der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts bis zur Stilllegung 1913. 1811 wurde hier die erste Dampfmaschine für die Wasserhaltung einer Wurmgrube installiert. Die erhaltenen Grubengebäude beschreibt Buschmann wie folgt:

 

„Ebenfalls in Herzogenrath steht die 1842/43 erbaute Schachthalle der Grube Langenberg. Sie wurde errichtet über einem Förderschacht und mit Seilscheiben im Dachgebälk über dem Schacht. Ursprünglich stand hinter der Schachthalle das Maschinenhaus für die 40 PS starke Hochdruckfördermaschine, rechts und links flankiert von Kesselhäusern mit den zugehörigen Schornsteinen. Im Maschinenhaus wurde 1847 eine Wasserhaltungs­maschine zugefügt, die über ein Gestänge die Pumpe im Pumpenschacht bewegte.
Die Gesamtanlage glich dem häufiger vom EBV verwendeten symmetrisch aufgebauten Schachthaustyp, wurde hier jedoch auf Grund der topographischen Verhältnisse mit der Trennung zwischen der erhöht angeordneten Schachthalle und dem tiefer am Hang gelegenen Maschinenhaus variiert. Dieser Entwicklungsperiode weiterhin zugehörig ist das vermutlich 1852 entstandene »Kunsthaus« der Grube Furth in Würselen. In Ergänzung zu einem am Hang gelegenen Förderschacht waren unweit der Wurm 1828/29 zwei Pumpenschächte zur Wasserhaltung niedergebracht worden. 1840/41 wurden die beiden Schächte über Ober- und Untergraben mit der Wurm in Verbindung gebracht und 1852 entstand zur Unterstützung der Dampfmaschine eine Wasserkunst. Das Wasserrad trieb zugleich eine 1855 montierte Fahrkunst, die in einem der Pumpenschächte eingebaut war. Die Befestigungspunkte der Kunstkreuze sind noch heute an einer Giebelwand des Kunsthauses erkennbar. Im Kunsthaus war zugleich eine Betkammer für die einfahrenden Bergleute untergebracht."
Buschmann, Walter (1992): Denkmäler des Aachener Steinkohlenreviers. In: Denkmalpflege im Rheinland 9. (3), S. 97–106.

 

Die erhaltene Grubenglocke wurde übrigens im Innenhof des Kohlscheider Bürgerhauses untergebracht. Sie ist wohl sehr restaurierungsbedürftig!

Abriss der letzten baulichen Erinnerungen - ...

Für die seit 2020 gebaute Markttangente, die Ortsumfahrung in Kohlscheid, mussten alte Gebäude weichen, so der ehemalige Kaisers-Markt am Langenberg. Er war untergebracht  im ehemaligen Ledigenheim der Grube Langenberg, direkt daneben die Reste der alten Grubengebäude. Diese Gebäudereste blieben vorerst beim Abriss verschont.

 

Die sehr empfohlene Dokumentation Grube Langenberg Gesamtfassung enthält eine umfangreiche Fotodokumentation neben einer Beschreibung der Geschichte der Grube und einer denkmal-archtitektonischen Einschätzung der Gebäude vor Abriss.

 

... - oder nutzen zur Erinnerung an den Kohlscheider Bergbau?

Seit einiger Zeit stellt sich die Frage, ob und wie diese Baureste zu einem Erinnerungspunkt für den Kohlscheider Bergbau werden kann. Bürgeranregungen machen dafür Vorschläge.

Der Verein Kohlscheider Bürger e.V. schlägt vor, am Langenberg eine Erinnerungsstätte an die ehemals dort beheimatete Zeche zu schaffen, die mindestens aus der Mauer mit dem Tor zum ehemaligen Zecheneingang bestehen soll.
Vorstellbar wäre aus unserer Sicht z.B. ein Café mit Wintergarten, Außenterrasse o.ä. auf der Abdeckung des alten Schachteingangs, in dem mit großformatigen Schwarzweiß-Drucken an die ehemalige Grube Langenberg erinnert wird. So entstände ein „uriges“ Stück Kohlscheid, dass Bergbau-Tradition und moderne urbane Entwicklung miteinander verbindet…
Vgl.: Verein Kohlscheider Bürger e.V.

Literatur

In der Reihenfolge Ihres Erscheinens:

  • Sistemich, Franz (1971 (Reprint)): Die alte Grube Langenberg. In: Gemeinde Kohlscheid (Hg.): Kohlscheid. Beiträge zu seiner Geschichte und Entwicklung. Unter Mitarbeit von Josef Aretz, Wilhelm Polz, S. 119–130.
  • Aretz, Josef (1987): Kohlscheider Bergwerke. 2. Aufl. Herzogenrath. Darin zur Grube Langenberg S. 420 – 521.
  • Heimatverein Kohlscheid 1932 e.V. (1988): Kohlscheider Straßenspiegel. Unter Mitarbeit von Heimatkundlicher Arbeitskreis. Herzogenrath.
  • Aretz, Josef (2007): Spuren der Vergangenheit. Daten zur Geschichte Kohlscheids von den Anfängen bis 1933 in 4 Bänden
  • Reckendrees, Alfred (2014): Der Steinkohlenbergbau in der Aachener Region. 1780-1860. Dissertation. Copenhagen Business School, Copenhagen. Online verfügbar unter http://mpra.ub.uni-muenchen.de/57745/1/MPRA_paper_57745.pdf, zuletzt geprüft am 15.09.2020.
  • Mailandt, Irmgard (2019): Dokumentation und Stellungnahme zur Erhaltenswürdigkeit der ehemaligen Grube Langenberg. Herzogenrath - Kohlscheid - Am Langenberg 8. Hg. v. Stadt Herzogenrath – Der Bürgermeister. Herzogenrath.

Weiter auswerten

Es bietet sich an, die Quellen weiter auszuwerten. Z.B. finden sich im Straßenspiegel Infos zur Grube unter Am Langenberg, Oststraße, Nachtigallenwäldchen, Markt (wegen Friedhof), Further Weg, Puetgasse, Auf'm Schiff, Zum Wurmtal, Katharinenstraße, Barbarastraße.

Es geht um Fragen wie z.B.:

  • Bekannte Ereignisse rund um die Grube Langenberg als Zeittafel
  • Besonderheiten der Abbautechnik, vom Einsatz von Pferden bis zur ersten Dampfmaschine im Wurmrevier
  • Veränderungen der Fläche des Grubengeländes: Schächte, Ausdehnungen, Tagebauten, Bergehalden, Verkehrsverbindungen usw.
  • Wo haben die Beschäftigten der Grube Langenberg gewohnt?
  • Folgenutzung der Tagebauten und des Grubengeländes nach Beendigung des Bergbaus
  • Volksgarten / Lustgarten
  • Urheberrechtsfreie Fotos der Grube
Rest des alten Schachthauses im April 2014
Rest des alten Schachthauses im April 2014 (c) HAM