Vom Köhler zum Bergmann

In den Beschreibungen des alten Bergbaus auf Steinkohle im Kohlscheider Gebiet fällt der Begriff Köhler auf. Wir kennen Köhler als jemanden, der im Kohlenmeiler Holzkohle herstellt. Köhler haben also mit Steinkohle nichts zu tun.
Lambert Schroif gibt in seinen Jugenderinnerung dafür diese Erklärungen:

Der wichtigste und allgemeinste Industriezweig Kohlscheids war selbstverständlich der Bergbau, aber es gab damals wunderbarerweise keinen einzigen Bergmann in ganz Kohlscheid sondern nur Köhler. Dieser ungerechtfertigte Name Köhler für Bergmann ist erst in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts [d.h. ca. 1875!] abgeschafft worden und zwar durch den Bergwerksdirektor Herrn Hilt, in dessen Dienstjahren sich zufälligerweise eine glänzende Hochkonjunktur einstellte. Er veranlaßte die Köhler, sich eine schmucke Bergmannsjacke nebst Mütze zu kaufen. Dann wird auch der Name Köhler aufhören, sagte derselbe in einer Rede auf einem Bergmannsfeste in Kohlscheid, und das Kleid macht den Mann.
Der Name Köhler war aber meines Erachtens von Kind zu Kind vererbt, denn unser schon vorher erwähnter Pfarrer, Herr Michel, hatte eine alte Chronik von dem Kohlscheider Bergbau aufgestöbert und veröffentlicht, worin von Mespelköhler, Dornkaulköhler und Sichelscheidköhler die Rede war, welche sich wegen der Schürfungsrechte im hiesigen Revier in die Haare geraten waren. Diese alte Chronik behandelte noch die Zeit, als der heutige Bergbau noch so zu sagen in den Windeln lag und die eben angeführten Köhlergruppen noch die Kohlenschürfungen auf eigene Rechnung ausführten, da die einzelnen Kohlenflöze noch großenteils an der oberen Erdschicht zu Tage getreten wären.

 

Vielleicht waren es in Kohlscheid die Holzkohlenköhler, die als "Fachleute für Brennbares" früh die Bedeutung der Steinkohle erkannten?