Im Krankenhaus besser nicht mitdenken?

Zum Zeitvertreib kann man sich im Krankenhaus gut damit beschäftigen, die Behandlungs- und Pflege-Menschen und ihr Zusammenspiel zu beobachten. Vielleicht dient das Folgende zu eigenen Beobachtungen.

 

Mündige Patienten unerwünscht?

Wenn der Arzt Medikamente verschreibt, wird ein mündiger Patient unterstellt. Der mündige Patient denkt mit und liest den Beipackzettel. Er passt auf und fragt nach, nach der richtigen Einnahme, nach evt. Unverträglichkeiten usw.

Im Krankenhaus kann das Mitdenken eines mündigen Patienten sehr stören. Man erfährt vielleicht noch den Namen seines Medikaments, bekommt aber keinen Beipackzettel. Dass man es besser vor der Mahlzeit zu sich genommen hätte, liest man dann evt. überrascht zu Hause. Oder man findet eine Nebenwirkung, nach der man das Medikament eigentlich nicht hätte einnehmen sollen und freut sich, dass (noch?) nichts passiert ist.

 

Will man im Krankenhaus trotzdem ein mitdenkender Patient sein, muss man konsequent Ärzte oder Pflegepersonal quasi als "Beipackzettel" nutzen und fragen:

  • Was ist das?
  • Wozu bekomme ich das?
  • Wie nehme ich das ein?
  • usw.

Das gesprochene Wort

Als mündiger Mensch glaubt man an die Verbindlichkeit in der Kommunikation, wenigstens beim ersten Aufenthalt.  Darf man öfter rein, hat man Chancen dazu zu lernen.

Da wird der Bettnachbar für einen Eingriff vorbereitet, verzichtet auf Trinken und Essen; und am nächsten Tag - Stunden nach dem vorgesehenen Termin: Sie dürfen wieder essen und trinken, der Eingriff musste leider verschoben werden.

Beschwert man sich darüber, so läuft man Gefahr, mit dem Etikett "störender" Patient versehen zu werden.

 

Verbindlichkeit ist anders

Und wenn scheinbar präzise gesprochen wird, muss man dies zu übersetzen lernen, da das kleine Wort "ab" in der Regel vergessen wird:

  • "Ich bringe Ihnen das jetzt." heißt eigentlich: "Ich bringe das 'ab' jetzt.
  • Morgen um 8.00 folgen dann die weiteren Untersuchungen" heißt eigentlich "Morgen 'ab' ..."
  • Um 10.00 Uhr ist Visite, dann können Sie den Arzt fragen." > "'Ab' 10.00 Uhr ...

Manchmal kommt es anders 

Die Kommunikation im Krankenhaus funktioniert oft wie bei der Deutschen Bahn: bei Störungen der Betriebsabläufe gibt es keine Informationen. 

Freitags wird man auf eine andere Station verlegt, weil die eigene am Wochenende geschlossen ist. "Aber das ist ja kein Problem!"

Obwohl das anscheinend regelmäßig vorkommt, scheint genau so regelmäßig für die Umgelegten kein Abendessen geliefert zu werden; dabei hatte man das Formular sogar beide Male, also auf beiden Stationen ausgefüllt. 

Wenigstens machen die Pflegekräfte gute Miene zu diesem bösen Spiel und stellen flexibel etwas zusammen: "Kommen Sie damit klar, wenn Sie heute Abend nur dies bekommen? Dann macht man schon aus lauter Dankbarkeit eine gute Miene zum bösen Spiel und beschwert sich nicht, dass man das x nicht isst. Und weil der türkische Bettnachbar liebenswürdig von den extrem leckeren Weinblätterröllchen seiner Frau abgibt, wird man auch satt, obwohl es nur Weißbrot gab. Dafür teile ich meine große Feige mit ihm.

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