Was Literatur für mich bedeutet

Was bedeutet das Lesen, speziell das Lesen von Kriminalromanen für mich?

Ich beobachte bei mir verschiedene Wirkungen von Literatur, die ich schätze:

 

Literatur kann bestätigen.

Es finden sich oft Sätze, die einen Gedanken, eine Einstellung von mir so gut ausdrücken, wie ich es selbst bis dahin nicht konnte

 

Literatur kann informieren und kann neugierig machen.

Ich lese von Ländern, Orten, Kulturen, die ich noch nicht kenne und erfahre so Neues. Und mit dem Internet ist es leicht, solche Informationen zu prüfen oder zu ergänzen. Und dann vielleicht zu sagen: das interessiert mich so, da möchte ich mal hin.

Ich denke an Kochrezepte, die ich nachgekocht habe.

Ich denke an Musiker und Musikstücke, die ich mir oft aus Neugier besorgt habe (Nachtrag: heute geht das mit Spotify leichter!):

  • Graf Hamilton in der Die Coq Rouge-Reihe hört zur Entspannung Glen Golds Goldbergvariationen.
  • ...#Freejazz

 

Literatur kann eine innere Kommunikation mit dem Autor auslösen.

Ich denke beim Lesen: wie hat sie/er diese Geschichte geschrieben? Wie machen die das, dass die verschiedenen Ebenen oder Zeiten so gut zusammen greifen? Und das sowohl in einem Band als auch über verschiedene Bände hinweg (wenn z.B. Bd. 5 eine Geschehen aus Bd. 2 aufgreift). Wie wurden die verschiedenen Begleitthemen und Kontexte recherchiert?

 

Literatur kann nachdenklich machen, vor allem dann, wenn das gerade Gelesene genau zu meinen aktuellen Themen passt. 

Nachdenklich machen mich Aussagen, die zu meinen aktuellen gedanklichen Überlegungen passen. Und dann oft das Erstaunliche: steuert mich meine Aufmerksamkeit unbewusst zu den richtigen Büchern oder wie finden sie mich?

 

Das ist oft wirklich überraschend: ich lese einen Krimi und vom Titel her wäre ich nicht darauf gekommen, wie gut seine Themen zu meinen aktuellen passen.

So gerade Bd. 5 Perfekte Pläne von Sabine Deitmer: nach einem Seminar zur Vorbereitung des Ruhestands habe ich sehr viel zum Thema Älterwerden recherchiert. In dieser Zeit habe ich die 5 Bände von Deitmer gelesen und stelle dann überrascht fest, wie gut der 5. thematisch passt:

In ihm reflektiert ein 73jähriger sein verkorkstes Leben und die gestörte Beziehung zu seinen Kindern. Er schreibt in der Reha nach einem lebensgefährlichen Schlaganfall Briefe an seine verstorbene Frau, Die Kommunikation mit der toten Lebenspartnerin gibt ihm Kraft zu einem Neuanfang. Es werden Themen angesprochen wie z.B. "ich war kein guter Vater - kann ich das wieder gut machen?", "Wie will ich im Alter wohnen?", "Ich will eine 2. Chance" usw.

 

Und wieder erstaunlich: Im folgenden Krimi von Tony Hillermann Der Skelett-Mann tritt ein Ermittler auf, der sich im Ruhestand befindet und über die Abwechslung freut: die Empfangsdame in seiner alten Zentrale kennt ihn nicht, reagiert auch nicht auf seinen Namen. Und sein altes Büro nutzt jetzt ein anderer Ermittler, es ist auch anderes eingerichtet.

Also schon wieder Ruhestand, Zufall oder Fügung?

Kommentar schreiben

Kommentare: 0